[Rezension] Loveboat, Taipei



Inhalt: 

When eighteen-year-old Ever Wong’s parents send her from Ohio to Taiwan to study Mandarin for the summer, she finds herself thrust among the very over-achieving kids her parents have always wanted her to be, including Rick Woo, the Yale-bound prodigy profiled in the Chinese newspapers since they were nine—and her parents’ yardstick for her never-measuring-up life.

Unbeknownst to her parents, however, the program is actually an infamous teen meet-market nicknamed Loveboat, where the kids are more into clubbing than calligraphy and drinking snake-blood sake than touring sacred shrines.

Free for the first time, Ever sets out to break all her parents’ uber-strict rules—but how far can she go before she breaks her own heart?


Triggerwarnungen



Meinung: 

Okay, diese Rezension fällt mir jetzt nicht leicht, weil ich wirklich sehr hyped auf Loveboat Taipei war. Ich habe mir ja vorgenommen dieses Jahr mehr noch Own Voice Autor*innen zu lesen und der Klappentext klang super interessant, obwohl ich nicht wirklich DIE Romanceleserin bin. 

Und ich muss sagen, dass mir die erste Hälfte des Buches, mit ein paar Abstrichen, wirklich gut gefallen hat. Nach der fünfzig Prozent Hürde fällt das Buch leider stark ab und wie mit manchen Themen umgegangen wird, mochte ich überhaupt nicht. 
Insgesamt, hat Loveboat Taipei alles, the good, the bad & the ugly

THE GOOD

Ich mochte die Grundidee und das Setting des Buches. Allein schon damit hebt es sich von den meisten anderen YA-Büchern ab, die so da draußen herumschwirren. Abigail Hing Wen macht einen echt guten Job das Leben und die Probleme von Ever Wong zu zeigen, die zwischen dem was sie tun will (Tanzen) und dem was sie - laut ihren Eltern - tun soll (MEDIZIN STUDIEREN) hin und her gerissen ist. Der Konflikt des Erwachsenwerdens und den Druck, den ihre Eltern und ihr "Tiger-Mom" Erziehungsstil auf sie ausüben. 

Das Buch spricht insgesamt sehr viele wichtige Themen an. Von diesem Leistungs- und Erwartungsdruck, über Kinder, die dem nicht gewachsen sind, bis hin zu Dyslexie ist alles dabei. Und ich fand es am Anfang auch gut und wichtig, das in einem Buch verarbeitet zu sehen, nur hat die Autorin irgendwann entschieden, dass jedes Thema das Jugendliche interessieren könnte, in das Buch gehört und ist irgendwann über das Ziel hinausgeschossen. Hätte sie sich auf das Thema konzentriert und es bearbeitet ... ich hätte keine weiteren Randthemen gebraucht. 

Ich mochte auch den Schreibstil von Abigail Hing Wen, der schnell zu lesen/hören und sehr bildhaft war. Und, was ich auch noch für Hörbuchhörer anmerken darf, Emily Woo Zeller ist einfach großartig bei der Vertonung des Buches. 

THE BAD 

Unter der ganzen Gesellschaftskritik ist Loveboat Taipei natürlich auch die Lovestory von Ever Wong und Rick Woo und ehrlich, ich mochte sie nicht. Viele Rezensionen vergleichen diese Story mit "Anna and the French Kiss"/ "Herklopfen auf Französisch", denn Rick Woo hat eine Freundin in den Staaten, trotzdem kommen er und Ever sich näher. Und ja ich mag solche Storys in der Jungs ihre Freundinnen für die Protagonistin betrügen einfach nicht. 

Rick Woo ist der Typ, mit dem Evers Eltern sie seit Kindertagen drangsalieren, weil er einfach gut in allem ist. Das strahlende Beispiel, dass sie nie erreichen wird. Und dann trifft sie ihn, sobald sie aus dem Flieger steigt und natürlich ist er hot. Aber er hat eine Freundin - Jenna - und das Buch tut absolut ALLES um das arme Mädchen total schlecht dastehen zu lassen. Und ich hasse das, weil die ganze Zeit nur ÜBER sie geredet wird.

 Auch Ricks Familie hasst Jenna, aus keinem erkennbaren Grund, und dass geht soweit, dass Ever an einem Punkt zusatimmt übers Wochende Ricks neue Freundin zu spielen und die Familie ist einfach nur begeistert von ihr. Und natürlich gibt auch das ordentlich Drama für alle beteilitgten und mir tut an der ganzen Geschichte nur Jenna leid, der einfach nur übel mitgespielt wird.

THE UGLY

SPOILER ab HIER

Lovboat Taipei spricht wie gesagt viele wichtige Themen an und das finde ich gut. Was ich überhaupt nicht mag, ist dass es bei vielen Dingen einfach einen "glossover" gibt und manche Sachverhalte angeschnitten und genauso schnell wieder unter den Tisch gekehrt werden, weil man sie eigentlich nicht so einfach abtun kann. 

Da wären zum einen die geleakten Nacktfotos von Ever. Am Anfang lässt sie sich von ihrer Freundin Sophie zu diesen überreden und mir war einfach klar, dass die Teile irgendwann geleakt werden. Als es dann passiert, gibt es in der Schule einen gigantischen Aufschrei und Ever soll nach Hause geschickt werden, weil sie die Familie entehrt hat usw. 
Es wird sogar damit gedroht, dass die Fotos an ihrer Uni landen könnten und sie ihren Studienplatz verliert und ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass die Person, die die Fotos überall verteilt hat auch angegangen wird, aber NOPE
ES PASSIERT NICHT. 
BITTE WAS?

Das war für mich wirklich nicht tragbar, dass die Schule da nicht in beide Richtungen interveniert sondern schön auf das eigentliche Opfer eindrischt. 

Und das ist nicht das einzige Mal, dass das Buch diesen Moove macht. 
Reden wir über Xavier, der einzige Charakter, den ich mochte und der kein nulldimensionaler Retortencharakter war. Er, Ever und Rick haben ja dieses Liebesviereck zusammen mit Sophie und alles ist einfach mega kompilziert. 

Irgendwann öffnet sich Xavier Ever gegenüber und erzählt von seinen Problemen. Danach schlafen die zwei miteinander (Ever vor allem, damit sie diesen Punkt von ihrer "was ich in der Sommerschule machen will" Liste streichen kann (SIC.)) Und dann macht Abigail Hing Wen etwas was ich auch nicht verstehe. 
Erstens erhält sie diesen unsäglichen "Jungfrauenmythos" aufrecht, dass Mädchen nach/bei ihrem ersten Mal bluten. Und ich verstehe es einfach nicht, ein Buch, dass so viele wichtige Themen bringt und bearbeitet, sollte eigentlich weiter sein, als das. 
Und zweitens ghosted Ever Xavier nach ihrer gemeinsamen nacht und auch hier macht das Buch keinen guten Job, das alles zu behandeln und Xaviers Charakter wird gegen Ende total versaut, nur damit Ever und Rick zusammenkommen können. 

Fazit:

Loveboat Taipei ist in vieler Hinsicht eine gemischte Tüte. Es hat viel gutes und spricht wichtige Themen an, die für alle Teenager ein Thema sind. Wenn es um Dinge wie Rassismus oder Erwartungsdruck durch die Eltern/Gesellschaft geht, macht das Buch auch einen guten Job. 
Bei anderen Themen wie Sex, Mobbing, Depressionen oder gar Suizid versagt das Buch auf ganzer Linie, weil die Themen entweder angeschnitten und dann fallen gelassen oder einfach wie aus dem nichts heraus gelöst werden. 

Bibliographische Angaben

Loveboat Taipeh * Abigail Wing Hen * Simon & Schuster Publ. * 432 S. *
9781471192852

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