[Rezension] Eisenblut


Inhalt: 

Kleine Seitensprung-Schnüffeleien sind der Alltag seiner schlecht laufenden Detektei im miesen Berlin-Kreuzberg: Gabriel Landow, schwarzes Schaf seiner ostpreußischen Getreidejunker-Familie, fällt der Erfolg nicht gerade in den Schoß. Aber dann fällt ihm ein Observierter direkt vor die Füße: Aus nachtschwarzem Himmel mitten aufs Sperrgebiet am Tempelhofer Feld. Wahrscheinlich wurde der aus dem Korb eines Militärballons gestoßen. Nur ein kleiner Ministerialbeamter, der allerdings mit einem geheimen Marineprojekt zu tun hatte. Und immerhin der dritte Tote dieser Art in letzter Zeit mit einem Buch der Gebrüder Grimm in der Hand. Aber weshalb die Regierung ausgerechnet Landow mit der Aufklärung betraut, ist auch ihm ein Rätsel. Genauso wie der Brandanschlag auf ihn kurz darauf. Wer sollte am Tod eines kleinen Ermittlers interessiert sein? Wo doch ganz Berlin, ach was, ganz Europa, nur gebannt auf das Sterben des todkranken Kaisers wartet, das einige aus ganz eigenen Motiven herbeisehnen.

Triggerwarnungen für Buch und Besprechung


Meinung

Eisenblut war ein hartes Stück Arbeit für  mich und auch jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, weiß ich nicht was ich davon halten soll, oder welche Intention der Autor für diese Geschichte hatte. Ich weiß zudem nicht, ob dieses Gefühl der Ratlosigkeit daher rührt dass ich das - wahrscheinlich gekürzte - Hörbuch gehört habe.
Eigentlich klingt der Plot dieses historischen Kriminalromans wie etwas, das ich feiere. Ich mag Antihelden. Ich mag es brutal und dreckig, aber Eisenblut war einfach so ... seltsam, dass ich jetzt mit einem Gefühl der Leere hier sitze.

Ich gebe eine milde Spoilerwarnung zum Thema Inhalt

Der Plot, die Charaktere und die Antiklimax am Ende

Der Plot hätte, wie gesagt, sehr gut sein können. Nur hatte ich von Anfang an das Gefühl dass Axel Simon ihn in zu kleine Stücke teilt und zu viele Charaktere ihre eigenen Szenen verpasst.
Wir haben neben Landow, noch seinen Bruder und seine Mutter, einen Zirkusattisten der dann Landows Kollege wird, eine Auftragskillerin, einen Serienkiller, einen Butler und gefühlt noch zwanzig weitere POV Charaktere. Manche Szenen enden mitten in der Szene und hier frage ich mich erneut was das soll, bitte kürzt Hörbücher, wenn ihr es schon müsst so, dass es nicht so seltsam wirkt.

Die Charatkere selbst handeln manchmal total aus dem Nichts heraus, vollkommen seltsam. So schläft z.B. Landow mit einer geheimnisvollen Schönen, die ihm nach dem Akt brühwarm erzählt, dass sie die Killerin ist. Und seine Reaktion? Er macht sich erst mal Frühstück.
Wie gesagt dieses Buch ... ich verstehe vieles nicht.

Vieles am Plotaufbau ist auch einfach schlecht umgesetzt. So ändern Figuren von jetzt auf gleich ihre Meinung. Oder sie tauchen wie aus dem Nichts irgendwo auf. Oder und das ist vorallem am Ende das große Problem, können einfach mal so in Gebäude einbrechen. Andere Figuren sterben auf grausame Weise und es ist nicht mal eine Randnotiz wert und das schlimmste ist das Ende.
Alles läuft auf eine riesige Antiklimax hinaus, sodass alles, was im Buch passiert eigentlich vollkommen unnötig war und der Autor wischt dann auch noch, sozusagen mit einem einzigen Federstrich, wieder nicht mehr als eine Randnotiz (liegts am gekürzten Hörbuch?) die Hälfte der Figuren vom Tisch.

Und ja, das mag ich einfach nicht.
Ich will eine gute, ordentliche Auflösung. Ein Pay-Off für 10 Stunden meiner Zeit.
Das gab es nicht.

Der Schreibstil

Das kuriose an dem Buch ist, dass ich den Schreibstil des Autors im Grunde mag. Ich mag auch das Setting. Aber auch hier schafft es Axel Simon alles was eigentlich gut ist, zu übertreiben.

Da wäre zunächst einmal siene Affinität für Körperflüssigkeiten. Leute, ich hab mich auch schon gefragt wie es Leute schaffen, ganze Romanzyklen zu schreiben, ohne das jemals irgendwer aufs Klo muss. Und ich hab so das Gefühl dass Axel Simon das kompensieren wollte.
Andauernd kackt jemand. Oder pisst. Oder kotzt oder ejakuliert. Und alles wird bis ins kleinste Detail beschrieben und das ist einfach nicht mehr mein Cup of Tea, wenn ihr versteht.

Und dann ist da noch die Sache mit den englischen Worten. Gabriel lernt englisch und hat die Angewohnheit andauernd englische Vokabeln einzustreuen. Genau wie ich! In dieser Rezi! You know? Und das wäre ja auch kein Problem, wenn es sich auf Gabriel beschränken würde. Aber de facto jeder Charakter in diesem Buch hat diese Marotte und I CANT TAKE IT!

Fazit

Alles in allem muss sich sagen, dass in diesem Buch zu viele Dinge nicht gestimmt haben. Zu vieles das für mich nicht passt. Charatkere heißen total unironisch "Perikles", Gliedmaßen werden von Zügen abgetrennt, irgendwie ist der letzte Mohikaner ein riesen Thema und alles ist zu skuril.

Ich verstehe dieses Buch einfach nicht.
Ich weiß nicht was ich da gelesen habe, was ich davon mitnehmen soll. Der Schluss hat mich stinkwütend gemacht und die Geschichte, die hätte gut sein können, war einfach zu sehr zerfastert.
Zwar legt der Autor jetzt schon den Grundstock für Band zwei, aber ich werde den nächsten Fall von Gabriel Landow nicht mehr lesen.

Bibliographische Angaben

Eisenblut * Axel Simon * Rowohlt Verlag * 384 S. *  978-3-644-00545-7

1 Kommentar

Mikka Liest hat gesagt…

Hallo,

das Buch ist mir in der Vorschau auch direkt wegen des Klappentexts ins Auge gesprungen, der klang sehr interessant. Aber alleine deine Triggerwarnungen lösen bei mir schon ein Gefühl von "Uhoh" aus – nicht die blutigen, sondern die genannten Klischees und Vorurteile.

Deswegen hat es mich auch nicht mehr so gedrängt, Spoiler zu vermeiden... Nach deiner Rezension bin ich mir auch zu 99,9% sicher, dass dies kein Buch für mich ist. Schade, schade.

LG,
Mikka
wordpress.mikkaliest.de