[Rezension] Das Dorf der toten Seelen


Inhalt:

Stranger Things meets Scandinavian Crime 

Alice Lindstedt hat gerade die Filmhochschule in Stockholm abgeschlossen und plant, ihren ersten Dokumentarfilm zu drehen: über Silvertjärn, einen abgelegenen Grubenort im Wald von Norrland. Vor 60 Jahren verschwanden unter ungeklärten Umständen alle Bewohner von einem Tag auf den anderen. Kurz zuvor zog ihre Großmutter von dort weg. Alice will herausfinden, was damals geschehen ist. Mit ihrem Team bricht sie zu dem einsamen Ort auf. Doch bald geschehen seltsame Dinge. Die Handys haben keinen Empfang, im Walkie-Talkie ist ein heiseres Lachen zu hören. Und kurz darauf ist der erste aus dem Team tot. Wer ist außer ihnen noch in Silvertjärn? Was ist damals passiert? Und vor allem: Werden Sie diesen grausamen Ort lebend verlassen?


Triggerwarnung für Buch & Besprechung 



Meinung: 

 Das Dorf der toten Seelen ist bis jetzt eins meiner Jahreshighligts 2020. Ich mag gruselige Bücher, die an schaurigen Orten spielen und in denen Leute versuchen einem sinisteren Geheimnis auf die Spur zu kommen. Es ist guter Old-School Grusel, der bei mir all die richtigen Knöpfe drückt, aber bei manchen Themen noch etwas besser recherchiert hätte sein können.

Guter Grusel

Um ehrlich zu sein gruselt es mich relativ schnell. Alles was es braucht, sind mysteriöse Schritte in einem Haus, das eigentlich leer sein sollte und ein heißeres Lachen auf einer Tonbandaufnahme und im ersten Drittel liefert dieses Buch genau das.
Dieses mystiöse Nichtwissen, auf was das alles hinauslaufen wird. Sind die Eiwnohner des Dorfes einem Fluch zum Opfer gefallen? Sind übernatürliche Kräfte am Werk oder gibt es für das Verschwinden von 900 Menschen eine andere, logischere Erklärung?

Dieser Grusel lässt zwar etwas nach, als die Story sich entwickelt. Einfach weil tote Menschen für eine andere, greifbarere Art von Horror sorgen, aber ich hab mich wirklich bis ganz um Ende gefragt, was in diesem Dorf passiert ist und hatte ungefähr zwanzig verschiedene Theorien.
Und das ist immer ein gutes Zeichen, bei einem Buch.

Die nicht genutzten Chancen

Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, merke ich wie ich anfange die Geschichte zu zerdenken. Ich sehe die ganzen Chancen, die die Autorin nicht genutzt hat und trauere ein paar Dingen hinterher, die ich gern genauer gewusst hätte.

Das Buch hat zwei Zeitebenen, heute mit der Gruppe um Alice und damals 1959, kurz vor der Katastrophe. Und ich finde, dass dieser "Damals"-Handlungsstrang noch ein paar Kapitel und mehr Tiefe verdient gehabt hätte. Weil das, was in diesem Handlungsstrang passiert, ist mir zu schnell und zu einfach von statten gegangen und hätte, für sich betrachtet, ein eigenes, spannendes Buch hervorbringen können.

Wenn ich zu viel über denk Plot nachdenke, fallen mir einfach Details auf, die ich nicht verstehe. Lösungen, die ein wenig zu einfach waren und Szenen, die nie wirklich eine Erklärung bekommen. Aber vielleicht sollte man, gerade Gruselbücher, nicht zu sehr zerdenken, einfach um sich dieses Element des Grusels an sich zu behalten? Ich weiß es nicht.

Finger weg von ernsten Themen

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt an dem Buch ist der laxe Umgang mit Themen wie Depression, Suizid und (psyschichen) Erkrankungen im Allgemeinen umgeht, sowie seine ableistischen Tendenzen in Richtung Birgitta.

Birgitta ist eine Figur die im 1959er Plot vorkommt und es wird gesagt, dass Gitta "nicht ganz richtig im Kopf ist". Im 2020er Plot wird sie von Alice "Schwachkopf-Gitta" genannt und die Protagonisten rätseln wild herum, ob Gitta jetzt Autistin war, oder eine Art von geisteriger Behinderung/psyschicher Erkrankung hatte.
Wirklich geklärt hat sich das für mich nicht, einfach weil das Buch jede Art von Erkrankung nur als Triebfeder für den Plot benutzt.

Gitta ist eingentlich keine wirkliche Figur sie ist ein Plot-Devise. Sie ist nur in dem Buch, damit die Geschichte funktioniert und das finde ich auf sehr vielen Ebenen nicht okay.

Beim lesen hatte ich oft das Gefühl, dass Camilla Sten psyschiche Erkrankungen nutzt, um Konflikte eskalieren zu lassen, ohne sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Worte wie Suizidversuch oder psysische Episode werden in den Raum geworfen, immer dann, wenn die Geschichte eine tragische Erklärung braucht. Und das ist keine gute Repräsentation, man sollte solche Themen immer mit Fingerspitzengefühl in den Text einarbeiten und sie nicht dazu missbrauchen, um so schnell wie möglich so viel Drama wie möglich zu generieren.

Fazit: 

Als Gruselbuch funktioniert das Dorf der toten Seelen für mich einwandfrei. Vorallem das erste Drittel drückt bei mir genau die richtigen Knöpfe und ich mag es sehr, auch wenn ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte.
Die Autorin sollte aber lernen ernstere Themen besser zu recherchieren und sie nicht nur für Shock-Value zu benutzen, denn dafür sind sie zu wichtig.

Wenn ihr euch gruseln wollt, dann könnt ihr mit dem Dorf der toten Seelen eigentlich nichts falsch machen, macht nur nicht den selben Fehler wie ich und zerdenkt die Story .

Bibliographische Anganben:

das Dorf der toten Seelen * Camilla Sten * Harper Collins Germany * 448 S. * 9783959679442

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