[Rezension] Die schwarze Fee


Inhalt: 

Berlin tanzt auf dem Vulkan. Glitzernde Tanzpaläste, wilde Partys, Drogen, sexuelle Freizügigkeit – die deutsche Hauptstadt gilt zur Zeit der Weimarer Republik als eine der aufregendsten Städte Europas. Russische Emi­granten, darunter Schriftsteller, Gelehrte, Politiker und Anarchisten, haben nach der Revolution in Berlin Zuflucht gefunden vor dem Zugriff der sowjetischen Geheimpolizei. Mittendrin Kommissar Ariel Spiro, den zwei Giftmorde ins russische Milieu führen. Und dann ist da noch Nike, seine große Liebe, die ihn um Hilfe bei der Suche nach ihrem neuen Freund Anton bittet. Unversehens geraten beide in einen Strudel aus Politik und Gewalt.


Triggerwarnung für Buch & Besprechung


Meinung: 

Die schwarze Fee ist Teil zwei einer Reihe um den Berliner Kommisar Ariel Spiro, ich habe Teil eins nicht gelesen, kann aber sagen, dass man auch mit der schwarzen Fee einsteigen kann, weil die Autorin uns schnell über alles aufklärt, was wir verpasst haben.
Das wird keine einfache Besprechung für mich, weil ich, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht wirklich viel über das Buch zu sagen habe.

Der klassische 3 Sterne Histo

Für mich ist die schwarze Fee ein klassicher 3 Sterne Histo. Er ist okay. Solide geschrieben, mit einem Schreibstil, der mir gut gefallen hat und das obwohl das Buch im Präsens gehalten ist. Der Text wird für meinen Geschmack in zu viele Erzähler aufgespalten. Neben Ariel Spiro, haben wir noch seine Flamme Nike, die Medizin an der Charitee studiert. Dann Anton, Nikes neuen Verehrer, Polina, eine russische Immigrantin, diverse Kollegen von Ariel, einen kleinen Jungen. Die Mutter von Anton, den Vater von Anton. Der Plot löst sich so in viele kleine Handlungsstränge auf, die zwar am Ende alle schön brav zusammenlaufen, aber für mich im Endeffekt zu viel des Guten waren.

Das Problem mit so vielen PoV Charatkeren war, vorallem gegen Ende, dass sehr vieles ins Hitnertreffen gerät, und sehr viele Figuren einfach nicht mehr auftauchen und keinen wirklichen Abschluss bekommen. Auch der Mordfall, wird knall auf Fall und durch den klassischen "Mördermonolog" aufgeklärt. Ich bevorzuge meine Kriminalfälle lieber mit mehr Fokus und weniger Füllmaterial drumherum. 

Berlin in den 20ern

Reden wir über ein paar Probleme, die ich mit dem Buch habe.
Repräsentation. Die 20er Jahre waren eine sehr freie Zeit und die queere Community in Berlin war ein Fakt. Wenn ich also ein Buch schreibe, dass in dne 20ern in Berlin spielt, erwarte ich irgendwie, dass man diesen Aspekt auch mit in seinen Text einbezieht und ordentlich bearbeitet. Und ich unterstreiche hier nochmal das Wort ordentlich. 

So besucht z.B. Nike, das Insitut für Sexualwissenschaften, das von Magnus Hirschfeld gegründet wurde. Dieses Institut hat in vielen Feldern der Sexualforschung Pionierarbeit geleistet vorallem was Transgenderthemen betrift. 
Nike begibt sich also in dieses Institut, und trifft dort auf Dorchen, eine trans Frau. Und keine zwei Sätze später wird zuerst Dorchens Deadname genannt und dann über die ganze Strecke der Szene immer so getan, als wären Menschen die nicht cis u/o heterosexuell sind seltsame Studienobjekte. Gleichzeitig will der Text mit aller macht, Nike als "so tolerant" framen. Ihr Freund ist der böse Intoleranter dessen Slurs als Zitate in den Text geballert werden, während Nike so tolerant ist und die Gesellschaft von "ilusteren Homosexuellen" genießt.

Gleiches gilt auch für Nikes Bruder, der die Rolle des immer potenten und auf Beischlaf fixierten Homosexuellen bekommen hat. Bei jedem Treffen hat er einen anderen schicken Galan zur Seite, der hernach nicht mehr gesehen wird. Ich weiß bis dato immer noch nicht, wohin der fesche französische Graf verschwunden ist, der nur mal kurz im Adlon in den Weinkeller wollte ... 
Insgesamt hat mir die Darstellung von queeren Figuren in diesem Buch mal wieder nicht gefallen und ist einer der großen Minuspunkte von die schwarze Fee. 
Abschlussgedanken
 Wie ich eingangs schon sagte, das Buch ist solide. Aber ich habe immer noch so dieses nagende Gefühl, dass ich nicht fertig bin mit "die schwarze Fee" obwohl das Buch fertig ist. Deshalb mag ich es nicht, wenn sich der Text in so viele einzelne Figuren auffächert. Kleinere bleiben auf der Strecke und du hängst auch nach Ende noch immer in der Luft. 
Ich mochte vieles an dem Buch und vieles mochte ich nicht. 
Ich mochte Nike dafür, dass sie tut was sie will und sich nimmt, was sie will und trotzdem fällt sie gegen Ende hinten runter und ich werde nicht schlau aus ihr. 

Wenn ihr Krimis die in den 20er Jahren mögt, dann versucht es mit dieser Reihe. Vielleicht startet ihr dann aber mit Band eins.

Bibliographische Anganben

Die schwarze Fee * Kerstin Ehmer * 400 S. * Pendragon Verlag * 978-3865326560

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