[Rezension] die tote Meerjungfrau

 


Inhalt

Eine dunkle Zeit – ein begnadeter junger Dichter – eine wahre Geschichte?

Folgen Sie Hans Christian Andersen in diesem atmosphärisch-fesselnden historischen Krimi bei den Ermittlungen zu einem Mord-Fall, der ihn zu seinem Märchen »Die kleine Meerjungfrau« inspiriert haben könnte.

Kopenhagen 1834: Hans Christian Andersen träumt davon, als Dichter zu Ruhm zu gelangen – stattdessen verhaftet man ihn wegen Mord-Verdachts. Eine junge Prostituierte, bei der er am Vorabend gesehen worden war, wird tot aus dem dreckigen Wasser des Kanals gezogen.
Zwar wird der Dichter auf Bitten eines Mäzens wieder auf freien Fuß gesetzt, doch ihm bleiben nur drei Tage, seine Unschuld zu beweisen. Mit der Hilfe von Molly, der Schwester der Ermordeten, macht Andersen sich auf die Suche nach dem wahren Mörder und findet heraus, dass es offenbar ein weiteres Opfer gibt. Gemeinsam sind Andersen und Molly einer ungeheuerlichen Geschichte auf der Spur …
 
Trigger
 
 
 

Meine Meinung: 

Was soll ich über dieses Buch sagen?
Ich würde am liebsten nichts dazu sagen und vergessen, dass ich mich darauf gefreut habe. Ich würde die Geschichte gern aus meinem Hirn löschen, und nie wieder daran denken müssen. Aber ich will auch nicht, dass andere Leser_innen sich dieses Buch kaufen, einen spannenden historischen Krimi erwarten und dann am Ende entsetzt über die Inhalte sind. 
 
Ja, ich habe mich auf die tote Meerjungfrau gefreut. Ich mag historische Krimis und die Prämisse, dass Hans Christian Andersen ermittelt und dabei vielleicht zu seinem berühmtesten Werk inspiriert wird, hat mich gleich neugierig auf das Buch gemacht. Aber was soll ich sagen, jetzt nachdem ich es beendet habe, bin ich sprachlos. 
 
Ich bin sprachlos, dass jemand diesen Plot für eine gute Idee hielt. 
Ich bin sprachlos, dass Droemer-Knaur dieses Buch übersetzt hat. 
Und generell bin ich sprachlos, dass historische Medien nur eine Herangehensweise an queere Figuren haben. Wir können keine Protagonisten haben, die schwul, lesbisch oder trans sind, ist ja nicht marktkonform. Aber Antagonistin die nicht cis hetero sind?
Ja klar! Immer her damit.
 
Der transphobe Plot
 
Erneute Triggerwarnung für transfeindliche Inhalte. Ich bespreche hier den Plot und das Ende im Detail und zitiere das Buch an manchen Stellen. 
 
Nach Jahren in denen ich diese Herangehensweise von Autor_innen und Verlage schon beobachte, habe ich einen relativ guten Detektor dafür, wenn ein Plot in diese Richtung schwenkt. Und bei "die tote Meerjungfrau" kam dieser Moment relativ früh. In einer Szene begenen wir Madam Ritter. 
Ritter ist gerade im botanischen Garten und erzählt uns, dass es ihr gelungen ist ein Weißdorn mit einem Apfel zu kreuzen und dass dieser Weisdornbusch nun Obst hervorbringt. Die Transformation ist geglückt, aber die Äpfel sind sauer und ekelhaft und von Würmern zerfressen. Und wisst ihr, genau in diesem Moment hab ich Lunte gerochen, auf was dieses Buch hinauslaufen wird. 
 
Der Verlag bewirbt es ja mit dem Slogan "das berühmte Andersen Märchen von der kleinen Meerjungfrau neu erzählt". Und dieses Märchen ist ja, in seinem Kern eine Geschichte der Transformation. Aus einem Fabelwesen wird ein Mensch. Die Autoren hielten es für eine echt tolle Idee diese "Grundlage" zu nehmen und sie 1:1 auf den Menschen zu übertragen und dann wieder eine Brücke zum Märchen zu schlagen. 

So als wäre die magische Verwandlung eines imaginären Halbfischwesens, das Selbe wie die Transition einer trans Frau. Und ja, dazu fällt mir echt nix mehr ein. 

Der Plot mäandert endlos um irgendwelche Details herum. Um die Reime eines längst toten Fäkalienkutschers, die im Kern des Rätsels Lösung sind. Um Hans Christian Anderson, der mit Gegenständen redet und um Molly, die sich ohne große Not ins königliche Schloss schleichen kann. 
Im Kern der Geschichte steht aber Madame Ritter, eine trans Frau, die andere Frauen betäubt, entführt, grausam ermordet und ihnen die Brüste abschneidet. Und das tut sie, weil sie sich diese Brüste annähen will, um so "zur Frau zu werden" und so die Liebe des Prinzen von Dänemark zu erlangen. 
 
Der Plot endet dann mit einer Szene in der Madame Ritter nackt den Prinzen konfrontiert. Und die Autoren werden nicht müde zu erwähnen, dass ihre angenähten Brüste "braune und tote Klumpen" sind, die an ihrem Körper hängen. Mehrmals wird ihre Erscheinung als "grotesk" und sie als "Wesen" "Dämon" "Teufel" bezeichnet. Am Ende nimmt die Protagonistin Rache für den Tod ihrer Schwester, indem sie Madame Ritter mit einer Haarnadel ersticht, durch ihre Brust natürlich. Die Autoren tun wirklich ALLES, um uns Leser_innen zu zeigen, dass Madame Ritter diese Brüste nicht verdient. Dass sie als Antagonistin nur den Tod verdient. Natürlich wird auch noch final ihr Deadname genannt und als ihre Leiche dann ins Meer fällt, folgt der Satz "eine Weile trieb sie da, es sah so aus, als wolle noch nicht einmal das Meer sie haben" 

Ich bin müde. 
Ich bin wütend. 
Und ich könnte heulen.
 Ich sage es bereits seit Jahren und ich sage es auch nochmal gern für die ganz hinten: Medien schaffen Meinungen. Und dieses Buch ist voll von transfeindlichen Inhalten, die eine trans Frau als Täterin stilisieren, die für ihren Wunsch nach "Verwandlung" über Leichen geht und das ist schädlich. Ich bin enttäuscht von Droemer-Knaur, die gerade im Bereich Fantasy ja eigentlich einen eher inklusiveren Weg einschlagen wollen. Aber es nutzt eben nichts, in einer Sparte die Pride Flagge aus dem Fenster zu hängen und dann ein solches Buch zu verlegen. 

Fazit

Ich empfehle dieses Buch niemanden. 
Selbst wenn ich von dem Plot um Madame Ritter einmal absehe, setzen die Autoren auf Sex, Dreck und Gewalt. Auf Antisemitismus, Rassismus und Sexismus, um den Plot voranzutreiben. Sie fixieren sich auf alle möglichen Körperflüssigkeiten, um den Ekelfaktor hochzuhalten und Leser_innen zu schockieren. Der Plot ist unnötig lang und kompliziert und das Ende hat mich sprachlos zurückgelassen. 

Wenn ihr auf der Suche nach historischen Krimis seid, lest irgendwas anderes. 
Ganz egal was. 
Wenn ihr was über Hans Christian Andersen lesen wollt, lest seine Märchen. 

Bibliographische Angaben

die tote Meerjungfrau `* Thomas Rydahl ; A. J. Kazinski * Droemer-Knaur * 448S. * 978-3-426-45762-7


 
 
 
 
 


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