[Rezension] Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss

 


Inhalt: 

1880. In Freyburg zwischen Saale und Unstrut wird im Kaiserreich der beste Sekt gekeltert. Aenne ist in den Weinbergen ihrer Familie aufgewachsen, sie träumt davon, sich etwas Eigenes aufzubauen. Ihr Vater erwartet viel von seiner gescheiten Tochter, auch Gehorsam. Als Aenne sich in Clemens verliebt, ahnt sie nicht, dass er zu den ärgsten Rivalen ihres Vaters gehört. Doch Aenne kann ihre große Liebe nicht aufgeben und fordert damit das Schicksal heraus

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 Trigger

Meine Gedanken zum Buch: 

Wenn ich ehrlich bin, habe ich von Saale Premium nicht mehr erwartet, als das es mich für ein paar Stunden kurzweilig unterhält. Das Wein- und Sektthema ist mal etwas anderes und hat mich allein schon deshalb interessiert, weil ich auch in einem Weinanbaugebiet wohne. Und nur
Wenn ich ehrlich bin, habe ich von Saale Premium nicht mehr erwartet, als das es mich für ein paar Stunden kurzweilig unterhält. Das Wein- und Sektthema ist mal etwas anderes und hat mich allein schon deshalb interessiert, weil ich auch in einem Weinanbaugebiet wohne. Und nur mal am Rande, nice try Buch, aber die Pfalz hat den besten Riesling, nicht ihr.
Leider muss ich sagen, dass das Buch mir nicht wirklich gefallen hat 

Durch die Geschichte gehetzt

Das Buch startet 1880 und wir jagen auf gerade einmal 400 Seiten durch knapp 20 Jahre. 
An sich finde ich die Idee einer Familiensaga, die sich über mehrere Bände und Jahrzehnte spannt nicht schlecht, aber es geht einfach zu viel verloren, wenn man so große Zeiträume in so wenig Seiten packen will. 
 
Die Autorin lässt ihren Figuren kaum Zeit, auf einen Umstand oder Schicksalsschlag zu reagieren. Probleme werden meist sofort und mit einem Federstrich beiseitegeräumt. Kaum hat man sich an eine Figur eingelassen, ist diese schon tot oder weg oder spielt keine Rolle mehr. Es war mir praktisch unmöglich mit den Figuren mitzuleiden, weil der Text einem keine Zeit dazu lässt. 
Gerade erfahren wir, dass Aenne ihre große Liebe nicht heiraten darf und ich will natürlich wissen, wie sie damit umgeht, was ihre Pläne sind und wie sie emotional damit fertig wird. Aber das Buch macht sofort einen Sprung von vier Jahren. Vier Jahre sind eine lange Zeit und im Ernst, ich bin nicht mehr die Person, die ich vor vier Jahren war. Aber das Buch geht nicht darauf ein, dass Menschen sich ändern. Die Bösen sind immer noch böse, die Guten immer noch gut. Aenne mag Clemens immer noch, aber sie hat sich eben  "arrangiert".
 
  Und so hatte ich beim Lesen immer das Gefühl von einem Punkt zum nächsten zu hetzen. Man hat keine Zeit sich einem Problem oder einem Sachverhalt lange genug zu widmen, um ihn wirklich zu verstehen oder das Potential voll ausschöpfen zu können. Allein die Sache mit dem Testament oder der Weinlausbefall hätten an sich ein ganzes Buch tragen können. So sind sie nur Fußnoten in einer überdramatischen Geschichte, und haben im Endeffekt keinen Einfluss auf das, was passiert. 

Überdramatischer Wunschtraum

Das Buch geizt wirklich nicht mit Schicksalsschlägen jeder Art, die einem in bester Seifenopermanier ständig um die Ohren fliegen. Während man noch um eine Figur trauert (sofern man es geschafft hat eine emotionale Bindung zu ihr aufzubauen) schon kommen Streit ums Erbe und drei andere Probleme mit dazu, von denen zwei dann sofort wieder, mit einem Fingerstreich der Autorin aus der Welt geschafft werden. 

Man hat zwar immer das Gefühl, dass Aenne alles Unglück der Welt gepachtet hat, aber am Ende fällt sie doch stets weich. Ist ihre Familie ja im Besitz von Land und einem Hotel, und auch wenn sie ihr altes zu Hause im Weinschloss einbüßt, findet sich sofort wieder eine coole Tante, bei der sie einziehen kann. Alles kein Problem. 

Alle Sorgen, die Frauen damals wie heute umgetrieben haben, hat irgendwann auch Aenne. Mit der Ausnahme, dass Aennes Lebenssituation ihr immer gleich einen kompfortablen Ausweg anbietet, ohne dass sie sich groß etwas erarbeiten muss. Ich weiß, ja, dass das Buch wieder eine Lanze für die Emanzipation brechen will, und zeigen will wie "eine starke Frau ihren Weg geht" aber ich  komme nicht umhin zu bemerken, dass erstaunlich wenige Steine in Aennes Weg liegen. 
Sie will schreiben? Klar, sofort hat sie eine Stelle um die Chronik einer Sektkellerei zu erstellen und die wird natürlich gleich ein Hit. Immerhin ist es das 19. Jahrhundert und Chroniken sind noch heißer Scheiß und nicht olle Staubfänger, die eh kein Mensch liest, so wie bei uns heutzutage. 

Was mich irgendwann nur noch genervt hat, war die Sache mit Clemens. Die wird unnötig lange ausgewalzt und war ab einem gewissen Punkt einfach gegessen. Man muss nicht alles um des Dramas willen in die Länge ziehen. 
 
Fazit: 

Alles was ich von Saale Premium wollte, war ein paar Stunden leichter Unterhaltung. 
Habe ich das bekommen?
Ja und nein. 

Auf der Pro-Seite steht, dass man viel über Weinanbau und Champagnerherstellung erfährt. 
Das Contra ist das hohe Erzähltempo und die Tatsache, dass ich Aenne nicht wirklich mochte und nicht mit ihr warm wurde.
 Die zwei Folgebände werde ich nicht lesen.
 
Bibliographische Angaben
 
Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss  * Paula Seifert * Ullstein Buchverlage * 416 S. *
9783843722858
 
 

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